Theatersommer Stadt Haag: Bloéb plant „Senioren-Fassung“
OÖ Nachrichten, 25. Juni 2010 - Nichts erfordert mehr Planung als das völlig Chaos: Für Michael Frayns Komödie „Der nackte Wahnsinn“ beim Theatersommer in Stadt Haag verkleiden sich Tatort-Kommissar Oliver Mommsen und „Wochenshow“-Quotenkönigin als blutige Dilettanten.
Nächsten Donnerstag feiert das turbulente Bühnenwerk des englischen Autors Michael Frayn Premiere vor der Haager Klapptribüne. Bis dahin übt Regisseurin Daniela Kranz mit den Akteuren den perfekten Reinfall ein. Das Fiasko bei der Generalprobe lässt nämlich im Stück eine Schauspieltruppe vor der Vorführung zerbröseln. Hinter den Kulissen brechen alle möglichen Lieb- und Feindschaften auf. Theater als Albtraumfabrik.
„Hier kommt zum falschen Zeitpunkt die falsche Requisite und die falsche Geste“, sieht Tatort-Kommissar Oliver Mommsen im Timing der Pointen die große Kunst: „Das ist wie ein sprechendes Orchester.“ Für TV-Serienstar Annette Frier („Schillerstraße“, „Wochenshow“, „Danni Lowinski“) platzen in der Komödie Seifenblasen wie im Leben überhaupt: „Nur dass das Theater bloß ein Versuchslabor ist.“
Intendant Gregor Bloéb ist überzeugt, wieder die richtige Sprengkraft für das Publikum gemischt zu haben. Für die 20 Aufführungen lief der Vorverkauf blendend, sodass das Büro auf die Restkartenpakete vertrösten muss. Dass nach der zartbitteren Romanze Cyrano von Bergerac im Vorjahr heuer ein „Kracher“ (Bloéb) folgt, widerspiegle die Bandbreite des Haager Theatersommers. Nur einen Nestroy könne er für die nächsten Jahre ausschließen, sagt Bloéb: „Das machen schon 25 andere. Und ich bin immer dafür, dass man das macht, was andere nicht machen.“
Castings in Altersheimen
Nicht einstellen, sondern noch erweitern will Bloéb die Nebengleise des Festivals. Während die bewährte „Junior-Produktion“ mit einer Teenager-Variante weiterläuft, soll es nächstes Jahr auch Castings in Altersheimen geben. „Wir wollen eine ,Senior-Produktion’ auf die Beine stellen“, sagt Bloéb, „die Idee hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet, sodass ich schon jetzt Bewerbungen habe.“ Bloéb misst dem Haager Theaterbetrieb nicht nur einen Kulturauftrag bei, sondern „einen ungemeinen sozialen Wert“.
„Perlenreihe“ mit Bloéb
Weiter reitet der Tiroler sein Steckenpferd auf dem Festival: An Sonntagsmatineen wird wieder eine „Perlenreihe“ aufgereiht. Corinna Harfouch (Fernsehkommissarin „Eva Blond“) und Johannes Gwisdek eröffnen den Reigen mit dem Kleinod „Fragment der Liebe – Elektra“. Otto Schenk und Felix Mitterer mit einer Lesung tragen wohl weitere Sternstunden zu dem Zyklus bei, der Bloéb besonders am Herzen liegt. Nach manchen Auslastungsproblemen im Vorjahr will er heuer dem Programmpunkt noch mehr Augenmerk widmen: „Es ist wichtig, dass man auch am Festival etwas ausprobiert.“
Nachdem Bloéb im Vorjahr zum Einstand den Cyrano selber spielte, nahm er sich heuer an der Nase: „Es sollen keine Bloéb-Festspiele werden.“ Die Bühne betritt er dennoch einmal: Mit Ehefrau Nina Proll und den Österreichischen Salonisten gibt er eine Revue „Sie wünschen – wir spielen“.

